Energiewende Update

Was ist der aktuelle Stand bei der Transformation von fossiler zu grüner Energie?

Wenn wir mit Der Kontext-Lesern sprechen, kommt eine Frage immer wieder auf: Was passiert, wenn sich nach der Veröffentlichung einer Themenkarte etwas verändert? Und natürlich: Wir aktualisieren unsere Karten, sollten sie sich inhaltlich überholen. Weil wir generell hintergründig und gesamtheitlich berichten, passiert das jedoch nur selten.

Aber auch ohne, dass unsere Karten veralten, entwickelt sich ein Thema weiter und es veröffentlichen Andere Medien weiterhin spannende Artikel. Um diese Elemente aufzugreifen, empfehlen wir euch in einer neuen Blog-Serie Lesestoff, der unsere Themenkarte ergänzt und fortführt.

 

Aktueller Stand:

Mit dem geplanten Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen, wird die Erreichung der Klimaziele fast unmöglich – sowohl was die Emissionen als auch die Finanzierung des Klimaschutzes angeht.

Juni 2017

Im Juni verkündet US-Präsident Donald Trump offiziell, dass die USA sich aus dem Pariser Klimaabkommen zurückzuziehen. Michael Oppenheimer, einer der renommiertesten Klimaforscher der Welt, hält damit das 2-Grad-Ziel für vollkommen unrealistisch. Bereits zuvor hatten Wissenschaftler kritisiert, dass das 2-Grad-Ziel ohnehin kaum zu halten sei.

Mai 2017

Die Schweizer entscheiden, Deutschlands Vorbild zu folgen: 58 Prozent sprechen sich in einer Volksabstimmung dafür aus, aus der Kernkraft auszusteigen. Fast zwei Drittel des Schweizer Strom stammen schon aus erneuerbaren Quellen – vor allem Wasserkraft. Bis 2050 wollen die Schweizer dann zu 100% auf grüne Energie setzen.

März 2017

Im März erzielt Deutschland einen neuen Rekord in Sachen Windenergie-Gewinnung: 41% der Produktion entfällt auf diese grüne Energieform. Gleichzeitig fällt die Produktion von Atomstrom auf ein Allzeit-Tief seit den 1970er Jahren.

Februar 2017

Europas erste Konferenz zu Klimaflüchtlingen findet im Februar in London statt – dabei ist das Phänomen alles andere als neu: 140 Millionen Menschen mussten in den vergangenen sechs Jahren wegen des Klimawandels ihr Zuhause verlassen. Laut Experten wird das in diesem Jahrhundert zur Norm werden.

Januar 2017

Der 24. Januar wird zu Deutschlands „Dunkelflautentag“, es herrscht Windstille und Nebel – Windkraft- und Solaranlagen erzeugen keinen Strom, die Ökostromversorgung bricht zusammen und die Gaskraftwerke müssen einspringen.

Die Medien berichten darüber aus zwei Perspektiven: Die einen sagen, dass das ein Zeichen dafür ist, wie unausgereift und unzuverlässig die Versorgung mit grüner Energie in Deutschland ist. Die anderen argumentieren, dass das Panikmache seitens der Fossil-Energie-Lobbyisten sei. Die Diskussion unterstreicht das Kernproblem der Energiewende: Sie kann nur gelingen, wenn effiziente Speichertechnologien entwickelt werden.

Dezember 2016

Im Dezember veröffentlicht die Bundesregierung ihren Fünften Monitoringbericht zum Fortschritt der Energiewende vor – mit einem prinzipiell positiven Fazit. Eine eigens eingesetzte Gutachter- Kommission sieht das jedoch grundlegend anders: Sie stellt der deutschen Energiewende ein schlechtes Zeugnis aus. Der Energieverbrauch steige, ebenso die Emissionen – Deutschland verfehle seine Klimaziele, so die Experten. Der einzige Weg, wie man die Wende doch noch schaffe: Fossile Energie müsse noch teurer werden.

November 2016

Die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA überschattet die Klimakonferenz in Marrakesch. Denn Trump glaubt nicht, dass der Klimawandel existiert. Er twitterte, dass der Klimawandel von den Chinesen erfunden worden und „Bullshit“ sei. In seinem Wahlkampf hatte er angekündigt, das Pariser Klima-Abkommen aus dem Jahr 2015 neu verhandeln zu wollen. Da die USA der größte Pro-Kopf-Emittent sind, würde die vereinbarte Reduzierung der CO2-Emissionen gefährden. Außerdem stünde auch die Finanzierung auf der Kippe- denn die USA haben bei weitem noch nicht das zugesicherte Geld ausgezahlt.

Oktober 2016

Im Oktober verkünden die Netzbetreiber, dass die EEG-Umlage zur Förderung von Öko-Strom von 6,35 Euro auf 6,88 Euro steigt.

Gleichzeitig drosselt die Bundesregierung den Zubau von Offshore-Windpark-Anlagen in der Nordsee. Der Grund: Der Norden Deutschlands verbraucht all die produzierte Energie nicht und es fehlen die notwendigen Trassen, um den Strom Richtung Süden zu leiten. Damit werden der langsame Netzausbau und fehlende, effiziente Speichertechnologien zur Bremse der Energiewende.

 

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Es sind vor allem energiehungrige Schwellenländer wie China, die ein starkes Wachstum an Erneuerbaren Energien zeigen. So wurden 2015 umgerechnet alle zwei Stunden ein neues Windrad in China gebaut.

Bernhard Scholz

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