Wie alles begann

Oder: Von der Idee zum Startup.

Teil 1: Die Idee

Alles begann 2009 – Schon einige Zeit beschäftigte mich die Frage, warum es immer schwieriger wird, sich in der aktuellen Nachrichtenwelt zurechtzufinden. Tagtäglich prasselt ein Dauerfeuer an Informationen auf jeden von uns ein, aber besser versteht man das aktuelle Zeitgeschehen dadurch nicht. Aber wieso? Wir haben so viele Informationsquellen — und so viele Zugänge zu diesen — wie noch nie zuvor in der Geschichte. Wie kann es zu diesem latenten Gefühl von Uninformiertheit kommen — zu dem Gefühl, die Ereignisse nicht mehr richtig einordnen zu können? Trotz regelmäßigen Medienkonsums. Ich wollte die Zusammenhänge verstehen, die weitreichenden Hintergründe — letztendlich, um mir eine eigene Meinung zu den aktuellen Themen bilden zu können.

Um mich möglichst ungetrübt und unvoreingenommen dieser Thematik zu widmen, suchte ich nach einem Masterstudium, das mir den Raum bot, in diesem Feld zu forschen. Als Kommunikationsdesignerin, deren Leidenschaft schon immer Inhalt und Typografie waren, interessierten mich die Fragen, welche Inhalte notwendig sind, um komplexe Themen zu begreifen und wie man diese editorisch spannend und unterhaltsam vermitteln kann.

Das Masterprogramm Editorial Design der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) war für mich der perfekte Rahmen, um mich diesen Fragen zu stellen. Meine Mentoren Kurt Eckert, Matthias Michel, Alex Hanimann und Sereina Rothenberger begleiteten den Prozess mehr als engagiert. An dieser Stelle noch mal ein großes Danke für die tolle Zeit (Und natürlich auch ein großes Danke dem DAAD, dessen Stipendium mir das Studium erst ermöglichte).

Aber zurück zur Idee. Nach ausgiebiger Recherche und Abstecken des Feldes wollte ich ein neues Hintergrundmagazin entwickeln. Im ersten Schritt ein Printprodukt. Mit meiner Forschungsfrage und einer Hypothese zum Aspekt der Unterhaltung im Gepäck, fing ich an, anhand eines Beispielthemas zu recherchieren, Experten zu befragen — kurz, mich komplett auf das Thema einzulassen, um eine Essenz für alle komplexen Themen zu filtern. Das Beispielthema, das mich interessierte, war die Piraterie vor Somalia. Warum? Damals war das Thema häufig zu hören und zu lesen. Aktuelle Überfälle und neue Auslandseinsätze waren medial präsent, leider jedoch wenig über die Hintergründe und die Situation im Land. Also ging es ab in die Bibliothek und in die Archive und ich begann, anhand der Inhaltswahl und einer breiten Recherche ein multiperspektivisches Inhaltskonzept zu entwickeln. Bernhard hat mir schon damals beim Auswählen und Zusammenstellen bestimmter Texte geholfen, und Experten aus dem Bereich bestätigten die Richtigkeit.

Zeitgleich zum inhaltlichen Konzept entwickelte ich die Gestaltung. Beide Bereiche, also Inhalt und Gestaltung, hatten sich zu jeder Zeit gegenseitig beeinflusst. Nie stand vorher ein Raster fest, das einfach befüllt wurde. Stets war es der Inhalt, der Entscheidungen in der Gestaltung nachhaltig beeinflusste. Die Freiheit, die mir das Studium gab, nutzte ich, um die spielerische Auseinandersetzung als Unterhaltungselement in das Format zu gießen. Der Prototyp, der dabei entstand, war dementsprechend auch anderer Form, als das für ein Magazin vielleicht vermutet wird. Großes Format, Dünndruckpapier, ein Raster, das eine komplette Neuanordnung möglich macht, geflochtene Bildwelten, die Sinneinheiten transportieren uvm. Mit interaktiver Nutzbarkeit und künstlerischen Gestaltungselementen bietet das Magazin namens „Kontext“ die Möglichkeit, ein sperriges Thema spielerisch zu entdecken — zu erforschen. Einfachheit wird darin nicht vorgegaukelt, vielmehr wird die Komplexität der Themen visuell erfahrbar.

Die vielen Reaktionen und Gespräche, die auf diese Arbeit folgten, führten zu dem Entschluss, dieses Projekt nicht in der Studentenschublade verschwinden zu lassen.

Aber dazu mehr im nächsten Post …

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Julia Köberlein

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